Liebe Leserinnen, liebe Leser

als examinierter Altenpfleger, leider aufgrund von schwerer Erkrankung nicht mehr berufstätig, aber während der aktiven Zeit überwiegend mit dementen Menschen betraut, möchte ich heute auf das Thema:

SCHUTZBEFOHLENE

explizit eingehen!

Wie definiert der Gesetzgeber? 

Bei Schutzbefohlenen handelt es sich um Personen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer körperlichen Verfassung besonders schützenswert sind. Im StGB gibt es einige Vorschriften, die gegenüber Schutzbefohlenen verübte Taten aufgrund der größeren Verwerflichkeit härter bestrafen, so z.B. die Misshandlung (siehe Misshandlung) von Schutzbefohlenen nach § 225 StGB oder der sexuelle Missbrauch (siehe Sexueller Missbrauch) von Schutzbefohlenen nach § 174 StGB.

Schutzbefohlene im Sinne des § 225 StGB sind Personen unter 18 Jahren sowie solche Personen, die aufgrund Gebrechlichkeit oder Krankheit wehrlos sind. 

Als examinierter Altenpfleger steht man, selbst wenn man seine Arbeit noch so gewissenhaft ausführt, immer mit einem Bein im „Knast“, also muss man trotz allem Druck zumindest die Grund- und Menschenrechte einhalten!

Schutzbefohlen bedeutet … anvertraut sein!

Die Dienstanweisung fängt mit einer Stellenbeschreibung an, die Philosophie wird in den Einrichtungen unter einem Pflegeleitbild vorgegeben und über allem Handeln steht ein Satz aus dem Artikel 1 des Grundgesetzes:

Die Würde des Menschen ist unantastbar.

Ich selbst habe viele Jahre in sogenannten „Geschlossenen Bereichen“, die man nur durch eine zahlen gesicherte Kombination überhaupt betreten kann und in geronto-psychiatrischen Einrichtungen mit austherapierten Alkoholikern, Drogenkranken, Borderline-Syndrom oder gar BPS, Psychopathen, Schizophrenen, teilweise Dementen und das auch noch als Nachtwache, in einem Beispiel mit mehr als 20 solchen zu Pflegenden alleine als Nachtwache gearbeitet, dabei unter anderem bis auf einen Zahn durch einen fürchterlichen, wenn auch unbeabsichtigten Schlag eines Dementen, alle Zähne im Oberkiefer verloren, lag mehrere Minuten bewusstlos herum, bevor ich „irgendwie“ die Nachtwachen aus den anderen Wohnbereichen zu Hilfe rufen konnte!, aber das ist mir alles egal, denn ich habe mir trotz allem eins immer bewahrt, nämlich Altenpfleger mit Herz und Hand zu sein und zu bleiben.

Auf den Punkt gebracht, hatte ich überwiegend mit Schutzbefohlenen zu tun.

Der liebe Gott hat mir so etwas wie goldene Hände und die richtigen Instinkte für den Umgang mit schwierigen Situationen „in die Wiege“ gelegt, sodass ich in 99 Prozent aller Fälle immer passable Lösungen für extrem schwierige Pflegesituationen instinktiv gefunden habe. Man kann zwar die graue Theorie beigebracht bekommen, Krankheitsbilder, etc., aber es ergeben sich in der Praxis Dinge, die man nicht für möglich gehalten hätte und dann muss man reagieren. möglichst richtig und zeitnah, denn da sind ja auch noch andere zu Pflegende, die evtl. Hilfebedarf haben und auch ein Stück weit um die eigene Gesundheit.

Wohl wissend, dass der Bewohner einer Pflegeeinrichtung eine „Wunderwaffe„, nämlich einen roten Kopf für eine Klingeleinrichtung sein Eigen nennen darf, bin ich bereits bei der Grundpflege auf die kleinen Wünsche meiner Schutzbefohlenen eingegangen und habe eben z.B. auf Wunsch an Stellen eingecremt, wo nichts war, aber der Mensch war in diesem Moment zufrieden und DAS war das Wichtigste.

Ich habe leider, leider viele Situationen erlebt, die mich betroffen gemacht haben:

eine Altenpflegerin steht vor einen Dementen und zeigt ihm nicht nur einen „Vogel“, sondern eine ganze Vogelschar … pfui  

eine Altenpflegerin lässt eine frisch gebadete Demente, also Schutzbefohlene, mit nassen Haaren und nur dem Bademantel bekleidet bei 7 Grad minus 1 Stunde und 15 min. direkt vor dem einem geöffneten Fenster stehen! … pfui 

ein Wohnbereichsleiter zeigt mit dem Finger auf eine demente Bewohnerin, die sich während der Mittagsruhe die Unterbekleidung ausgezogen und das Inkontinenzmaterial heruntergezogen hat, duzt diese mit den Worten:

„….., wie siehst Du denn aus!?“  und lacht die alte Dame aus … pfui 

Hat solches Verhalten noch irgend etwas mit der Würde des Menschen zu tun ???

Nein, sie wird teilweise nicht nur mit Füßen getreten, sondern auf das Übelste missachtet und an einem solchen Punkt ist bei mir immer Schluss gewesen. Wenn so etwas sich wiederholt und toleriert wurde, habe ich mir einen neuen Arbeitsplatz gesucht, denn für einen reise willigen Junggesellen gibt es Arbeit, wie Sand am Meer.

Altenpfleger unterliegen tagtäglich der „Beobachtung“ durch zu Pflegende, Angehörige, Kollegen und Vorgesetzte. Wer die Unantastbarkeit der Würde des Menschen missachtet, muss abgemahnt, und bei mehrfachen Vergehen gekündigt werden. 

Sollte sich dieses Verhalten fortsetzen sollte das Examen entzogen und in der Konsequenz Berufsverbot erteilt werden!

Leider werden viele Missstände durch – in Köln nennen wir es „Klüngel“ – oder das sogenannte „Vitamin B“ vertuscht und unter den Teppich gekehrt!

Ich könnte unzählige Beispiele mit Ross und Reiter anführen, aber ich unterliege ja der Schweigepflicht

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich diese Missstände binnen kürzester Zeit abstellen wollen, aber ich weiß das es ein völlig utopischer Gedanke ist.

Ich danke all meinen ehemaligen Kollegen, die die Würde des Menschen und vor allem der Schutzbefohlenen achten für die tolle Arbeit, wünsche Euch ganz viel Kraft, ein starkes Nervenkostüm und drücke voll doll die Daumen,dass Ihr nicht all zu oft weit über die Leistungsgrenze hinaus gehen müsst … es kommen ja ganz schnell 13.000 neue Fachkräfte … grins

In diesem Sinne wünsche ich uns allen von Herzen gerne einen guten Start in die neue Woche, aushaltbare Temperaturen und einen erfolgreichen Tag.

Werner